Und komm mir nicht mit Geld…

Wenn Du nur eine Sache in deinem Leben ändern könntest, nur eine: Welche wäre das?

Welche Sache geht dir dermaßen auf die Ketten oder hält dich davon ab dein Leben zu leben, wie du das willst?

Welche Sache hätte den größten Einfluss auf dein Leben? Mittelbar oder unmittelbar.

Wenn du länger als ein paar Minuten darüber nachdenkst, kommst du sicherlich drauf.

Und wenn du sie „identifiziert“ hast, wie kannst du sie ändern oder was kannst du tun, damit sie sich selber ändert?

Schöner Allgemeinplatz, findet ihr nicht? 🙂

Für Nathan, mit dem ich hier in Rotorua wohne, ist das seine Schwester. Er lebt seit 8 Jahren mit ihr in einem Haus. Die Eltern leben in Australien bei der Großmutter, aus Gründen. Die Hintergründe sind vielleicht etwas verworren. Aber die Situation ist nun folgende:

Als sie beide gemeinsam in ein Haus gezogen sind, war Nathan 18 und sie 13 Jahre alt. Daraus ergab sich zwangsläufig eine Beziehung, die eher der Vater-Tochter-Beziehung ähnlich ist. Das ging auch in Ordnung, solange sie jung war. Heute ist sie 21 und die Beziehung hat sich geändert. Vater-Tochter ist vorbei. Aber die Abhängigkeit nicht.

Er arbeitete als Touristenführer in Te Puia und mittlerweile als Sänger und Tänzer. Außerdem verdient er mittlerweile auch als Selbstständiger Geld, in dem er Maori-Kostüme entwirft und tonnenweise Pois herstellt. Das ist das, was er machen will. Jetzt und hier. Aber da ist mehr. Hawaiianische Tänze, deren Kultur, etc.

Was hält ihn ab? Eine Abhängigkeit, die er lösen muss. Die zu seiner Schwester. Und zwar nicht von seiner Seite, sondern von ihrer. Sie arbeitet auch ab und an als Tänzerin und Sängerin, aber ein paar mal pro Woche reicht eben nicht aus um das Leben zu „finanzieren“. Es reicht um seinen Teil zur Miete beizutragen.

Sie möchte nicht akzeptieren dass es Zeit ist, ein eigenes Leben zu starten. Nicht nur für sie ist das wichtig, sondern genauso für ihn. Es ist einfach zu bequem und manchmal ist er einfach zu … nett und nachsichtig.

Der Weg, die Lösung? Drastisch … vielleicht. Er geht im September nach Australien. Aus zwei Gründen.

Der erste und wichtigste: Seine Schwester bleibt hier und wird geradezu gezwungen ihr Leben in die eigenen Hände zu nehmen.

Der zweite: Neuseeländer sind für Australier, was viele Polen für Deutsche sind. Billigarbeiter. In Australien verdient man sehr viel mehr Geld als hier. Das Leben ist dementsprechend teurer. Also gehen Neuseeländer „rüber“ und arbeiten für ein paar Monate dort. Um Geld zu verdienen. Und das mit Knochenjobs, die Australier eher ungern machen. Klingelt’s? Spargelstechen anyone? Wohl bekomm’s!

Danach geht’s für ihn weiter nach Hawaii. Und was dann kommt, wird man wohl sehen.

Was ich hier in einer etwas klatsch- und tratsch-artigen Weise beschrieben habe, ist ein Beispiel für einen einzelnen „Punkt“ in deinem Leben, der dich davon abhält, das zu tun was du willst.

Das war zwar nicht mein eigener Punkt, aber ich bin noch am „identifizieren“. Ehrlich!

Kia ora und schöne Ostertage meine Freunde.

P.S.: Keine sollte glauben, dass ich die Schwester dafür verurteile. Ich kenne auch genug Menschen, die sich auf die ein oder andere Art und Weise weigern, ihr Leben vollständig in die Hand zu nehmen. Und ich schätze sie trotzdem.

Routenplanung starten

Dein Produkt bist Du selbst

Wow. Okay, die Zeit in Taupo war wirklich aufregend. Wahnsinn, wie viele Menschen man in anderthalb Wochen kennenlernen kann. Also: Natürlich nicht wirklich kennenlernen. Aber rege austauschen über die Welt, die Reisen, wo man her kommt, was man hier macht, was man normalerweise macht.

In einem Satz: „Sit down. Let’s socialize at bit.“

Und was dann immer kurz danach folgt: „Hey dude, what’s your story“. An dieser Stelle klingelt es immer im Kopf. Die Frage erinnert mich an eine Session auf dem Barcamp Braunschweig von Kai Thrun.

Eigentlich ging es dabei um Produkte. Aber die Quintessenz ist eigentlich eine andere. Du selbst bist ein Produkt. Natürlich kein Produkt an dem man einen Preis pappen kann und zum SSV 20% Rabatt gibt, aber auf jedenfall ein Produkt.
Ein Produkt ist ja, wenn man mal von der mathematischen Seite heran tritt, eine Größe die aus mehreren Einzelgrößen entstanden ist.

Ihr könnt es euch schon denken: Die mehren Einzelgrößen tragt ihr alle in euch. Da sei zunächst gegeben: Deine eigene und definierte Persönlichkeit, Deine Seele, Dein Wissen, Deine Erfahrung, Deine Gefühle, Dein Aussehen und noch so einige Größen mehr. Bleiben wir mathematisch:

Persönlichkeit x Seele x Wissen x Erfahrung x Gefühle x Aussehen = Du!

Nehmen wir mal weiterhin an, dass nicht jede Größe in dieser Formel größer als 1 ist. Darin besteht nämlich der Trick meines Gedankens:

Selbst wenn Du meinst, dass Du bspw. nicht allzu viel Erfahrung hast, wie das bei mir und aus logischen Gründen bei den meisten jungen Menschen der Fall ist, dann kannst Du das mit Persönlichkeit wett machen.

Das funktioniert natürlich jetzt nicht mit jedem Faktor von dort oben. Wer zum Beispiel ein Voll-Arsch ist, bekommt das auch mit noch so viel Wissen nicht weg, in meinen Augen. Andere werden das anders sehen. Das kommt, ganz nebenbei, immer dann vor wenn Du Dich mit einem guten Freund hinsetzt und ihr euch beide anheult warum Frauen/Männer eigentlich immer die Blödmänner zum Freund wählen (Ist ja Quatsch … aber mit 15 muss man das nicht wissen 😉 ).

Jedenfalls kommt es darauf an, dass Du stolz auf die Faktoren bist, die Dein Produkt erst zu etwas großem machen (auch im mathematischen Sinne).

Mich hat hier noch keiner gefragt, ob und wenn ja welche Ausbildung ich hätte, ob ich Abitur gemacht habe oder sonstwas. Wenn Du sagst, dass Du Selbstständig bist, dann finden das die Menschen an sich einfach „cool“ und stellen Dich nicht wirklich in Frage. Das ist natürlich oberflächlich, weiß ich auch, aber es ist ein Anfang.

Im weiteren Gespräch lernt man den anderen ja alleine schon deshalb besser kennen, weil die Themen wechseln. Da kommt Europapolitik genauso vor wie die Frage, wie es sich als Schwuler eigentlich in Deutschland so lebt.

Gut … was wollt ich eigentlich sagen? …

Ach ja, das wars:

1. Wenn Du Angst hast, was Dich selbst betrifft: Erzähl den Leuten vom größtem Faktor in Deinem Produkt.
2. Erzähle auch vom Rest: Dein Produkt (Du!) ergibt sich nur so komplett.
3. Im Gegensatz zum Einzelhandel sind Menschen, die sich ein „SALE“ an den Kopf kleben nicht interessant.
4. Everybody has a story! Really! Believe me!

Herzlichst,
euer Therapeut für die wirklich ganz leichten Fälle.

P.S.: Und solltest Du das Gefühl haben, dass die meisten Faktoren bei Dir eher im Minus stehen. Tröste Dich: Minus mal Minus ergibt Plus 😉

The anniversary of the Snooze button

Ich bin ja nicht so gut darin, meine Gedanken ordentlich zu sortieren um sie in verständliche und vielleicht auch interessante Sätze zu verpacken. Trotzdem fällt mir immer auf, dass ich vielmehr runterschreiben sollte, was mir so an der inneren Schädeldecke vorbeirauscht.

Der Regen hier hat aufgehört. Das ist natürlich erstens meiner Laune sehr zuträglich und zweitens habe ich wörtlich damit einen weiteren Blick. Sowas schlägt sich auch auf meine Gedanken nieder. Ungeordnet schwirrt mir mein Leben durch den Kopf. Ein paar Gedanken dazu sollen hier archiviert werden. Gleichzeitig denke ich, dass ich damit die nächste der 5 „W“-Fragen beantworten kann: „Warum Neuseeland“.

Der Grund in Neuseeland zu sein, findet sich eigentlich schon knapp 10 Jahre in der Vergangenheit.

Ich war 15. Schüler auf dem Norbertusgymnasium. Ein Gymnasium mit einem damals noch gutem Ruf, solange man nicht hinter die Fassade blicken konnte. Heute ist das, so glaube ich, noch sehr ähnlich. Ich war eine pubertierende Mistkröte. Stinkenfaul und streckenweise ätzend. Da ich weiß, dass meine Mum mitließt: Du weißt, dass es mir leid tut. Im Nachhinein.
Nun, alles war ätzend. Schule war Mist, Menschen waren Mist, das Erreichbare war Mist. Ich wollte kein Abi, ich wollte leben. Und zwar nach eigenen Regeln. Das ist für einen 15-jährigen jetzt nicht besonders ungewöhnlich und legt sich ja auch mit der Zeit. Ich schiele auf all die Abiturienten ohne jegliche Perspektive, was sie mit diesem verdammten Stück Papier anfangen sollen. „Hauptsache erstmal haben“.

Ich war anders. Gymnasium habe ich abgebrochen / es wurde von „außen“ abgebrochen. Die Außenwelt, vorallem in Person meiner Mutter, dachte: Au weia, aus dem wird nichts.

Im Gegenteil. Ich hatte das tiefe innere Bedürfnis, mein Leben zu leben. Mein damaliger Schulleiter meinte zu mir … im letzten Gespräch welches wir miteinander hatten: „Christoph, du bist nicht für die Schule geschaffen, du musst arbeiten“. Nagel auf den Kopf getroffen? Vielleicht. Ich hatte ein Ziel:

Eine Million auf meinem Konto in 10 Jahren (also mit 25). Der Termin rückt im Übrigen näher. Und nein, keine Chance, die Million wird nichts. :-/ … Aber das Ziel ist definierter:

Finde das, was Dich im Leben glücklich macht.

Zeitsprung!

Innerhalb meiner (zweiten) Ausbildung zum Fachinformatiker stellte ich etwas fest: Du bist nicht dafür geschaffen, etwas zu tun, weil andere es dir sagen. Das war mit 15 schon so. Und es ist mit 24 immer noch so. Ich hatte mir etwas in den Kopf gesetzt: Du machst dich selbstständig und arbeitest vor allem für: Dich selbst. Anfangs ging das auch recht gut. Nur mittlerweile hat sich etwas verschoben: Mein Gefühl.

Ich arbeite nicht mehr für mich selbst, ich arbeite wieder für andere. Ich mache Dinge, an denen ich keinen Spaß finde. Ich drücke morgens endlos auf „Snooze“. Ein Zeichen für mich. Den das gleiche habe ich schonmal gemacht. Mit 15 … als ich zur Schule „musste“.

Etwas zu müssen was ich nicht wollte. Das trifft mich bis heute tief im Inneren und ich komme absolut nicht damit klar. Ich kämpfe innerlich gegen so etwas an. Ich sträube und winde mich. Manchmal werde ich dafür abgestraft. Und in den meisten Fällen stoße ich damit Menschen vor den Kopf, wenn ich eben nicht (mehr) das mache, was ich versprochen oder angekündigt habe. Oder für etwas, für das ich beauftragt wurde. Ich kann es nicht tun, weil ich es nicht will.

Nun ist Neuseeland meine Flucht nach vorne. Nicht, weil es am weitesten von Europa entfernt liegt. Sondern weil es nicht Deutschland ist. Und ich schon ewig darüber sinnierte: „Wenn du es jemals schaffst, da hin zu kommen“. Es schien so unrealistisch. Nun bin ich hier und alles wirkt real. Das Land, die Menschen, das Gefühl.

Genügend Abstand zu Deutschland – genügend Abstand zu dem ganzen Mist, den ich tagtäglich gemacht habe ohne es zu wollen und ohne dagegen anzukämpfen. Hier ist die Flucht.

Aber ich kann so etwas den Menschen nicht in’s Gesicht sagen. Deswegen mache ich es einfach und riskiere dabei etwas, was ich mir selbst kaum eingestehen wollte: Wenn ich zurück komme, bin ich wieder („businesstechnisch“) bei Null. Und wenn ich ganz viel Glück habe auch persönlich wieder auf dem Boden der Tatsachen.

Und wisst ihr was?! Ich freue mich jetzt schon riesig auf einen Neuanfang. Egal, wie der aussehen mag.

Liebe Grüße,
euer Christoph

P.S.: „Don’t let them drive you like a car. You’ll never be a shining star“ / And One – Shining Star