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Eine Neuseeland-Reise und das Leben danach

Archiv für die Kategorie ‘Gedanken’

You can(‚t) fool yourself

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Geschrieben von Christoph

Juli 17th, 2012 at 7:28 am

Veröffentlicht unter Fotos,Gedanken

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Wunschliste 2012 – Ein Zwischenstand

mit einem Kommentar

Was wünsche ich mir für euch und für mich im Jahr 2012 bzw. meinem 26. Lebensjahr?

(Im Original vom 24.01.2012, mit Anmerkungen vom 22.06.2012)

 

  • Sei ehrlich zu dir selbst

… meistens, als es nichts ausmachte. Ablehnung eines Vorstellungsgespräches, weil ich es wirklich nicht wollte.

  • Sei offen für neues

… eher soetwas wie „Vielleicht ist das, was alle um dich drumherum leben ja nicht so schlecht“ geworden.

  • Sei gefühlsbetont

… einige Male mißverstanden worden für meine Gefühle. Manches ist aber auch viel schöner und intensiver geworden.

  • Sei begeistert

… nichts. Nichts, nichts, nichts hat mich begeistert.

  • Rede mehr

… hält sich die Waage. Mal mehr, mal weniger. Die Personen sind die gleichen geblieben.

  • Schalte deinen Fernseher aus

… nicht durchgehalten. Alles versucht, aus dem Gedankenkonstrukt zu entfliehen. Der Fernseher war ein Hilfsmittel. Ein falscher Freund, aber ein Hilfsmittel.

  • Gerate nicht in Panik

… vielleicht sollte ich mal sagen das die Deutsche Bank der einzige Punkt in der nicht geschriebenen Panik-Liste ist, der mich in Panik versetzt hat.

Liebe Deutsche Bank,

ihr stinkt! Und zwar vom Kopf an. Das da monatelang ja jahrelang 5-stellige Beträge auf dem Konto waren … das interessiert euch nicht. Jetzt hätte ich mal eure Hilfe gebraucht. Ihr habt sie verweigert und ich weiß Bescheid.

Bei euch: Nie wieder!

  • Triff Entscheidungen

… das hab ich. Mehr, als ich dachte.

  • Lies mehr über die Gedanken anderer

… check.

  • Beschäftige dich mit denen, die dir wirklich wichtig sind

… ich komme der Sache näher. An mein Herz wachsen gerade einige liebe Menschen mehr.

  • Gehe jeden Tag einen Schritt weiter

… ich habe es auf „jede Woche“ reduziert, aber seit 3 Wochen jeden Tag einen Schritt. Ich komme dem Ziel näher.

  • Verschiebe nicht das Unwichtige, sondern vergiss es

… permanenter Kampf gegen die Leute, die dir das Unwichtige auf die ToDo-Liste tackern. Aber das geht.

  • Gestehe dir selbst dein Scheitern ein

… ohh, halleluja, das hab ich!

  • Sprich in einer anderen Sprache

… zu wenig Gelegenheit. Nach 5 Bier spreche ich aber mit mir selbst nur noch Englisch. Ist auch etwas neues für mich.

  • Vergiss den ersten Platz

… vergessen. Zu Recht!

  • Wenn du hörst „Das funktioniert so nicht“, lächele und trete den Gegenbeweis an

… hab’s bis jetzt nicht gehört (6 Monate). Habe nicht’s probiert, bei dem jemand hätte dies sagen können. Werde da weiter ansetzen.

  • Wenn du hörst „Ich habe Angst“, nimm es ernst

… au Backe habe ich das ernst genommen. Ja. Hab ich.

  • Lass dich niemals beschimpfen

… bisher waren alle freundlich. Aber den Ton hat sich etwas verschoben, seit das „Business“ nicht mehr so läuft, wie es sollte.

  • Grübele niemals über etwas, was bereits vergangen ist

… ich schieb das mal auf das nächste … Jahr … nein … Jahrtausend!

  • Such dir keine Vorbilder

… bisher kommt auch nichts in Sicht.

  • Hör auf, dich zu rechtfertigen

… das geht mir jeden verfluchten Tag durch die Birne. Nicht rechtfertigen! Ich versuch es stärker als alles andere.

So! … und dieses hier sollte ich dann doch nochmal größer schreiben:

I am sick of reasonable people: they see all the reasons for being lazy and doing nothing.

George Bernard Shaw (1856-1950) – British Dramatist

 

In Kurzform:

I am sick of reasonable people!

 

 

Und? Wie ist es euch so ergangen im letzten halben Jahr? Schreibt mir! Hier oder per Mail an the_hell_also_known_as_2012@reloadmyworld.com … ich freue mich über gute Nachrichten. Schlechte werde ich aber auch lesen, versprochen!

Euer Christoph, euer Kiritopa.

 

Nachfolgend, mit einem großen Dank an Mattse, noch etwas aktuelleres. Bearbeitet für jemanden, der mir immer am Herzen liegt:

 

Geschrieben von Christoph

Juni 22nd, 2012 at 8:10 am

Business-Gesichter

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Eine Veranstaltung wo jeder so sein durfte wie er war aber wo letztlich jeder es geschafft hat, dem anderen etwas vorzumachen. IBM, GE, Nokia, DHL, Deutsche Bank, Allianz, Axel Springer, Google, SAP, Vodafone, Telekom, Dell… und so viele mehr … Alle waren sie da. Und alle hatten die gleiche Aussage … nur in andere Worte verpackt … bei uns kannst du Karriere machen. Wir suchen genau dich. Doch egal, ob sie das ehrlich meinten oder nicht. Das was sie gesucht haben, waren Klischeedarsteller im Businesslook. So kam es mir vor. Das teuerste Hemd zählt. Wie simuliert breitschultrig kannst du sein?

Das gestellte Lächeln, die auf den Punkt perfekt gebräunten Gesichter, die immer gleichen Gesprächsfetzen, die durch den riesigen Saal fliegen. Die Aufsteller mit den Models und flachen Sprüchen. Die Recruiting-Abteilung. Die Marketing-Leute. Die billigen Selbstvermarkter in den Vortragsräumen. Das völlig übertriebene Hotel. Das auf maximal erreichbare Freundlichkeit getrimmte Personal. All das war heute hier …

Es gibt nur zwei Möglichkeiten: Entweder hat jeder hier nur gespielt und dem jeweiligen Gegenüber etwas vorgemacht – dann will ich mit euch nichts zu tun haben. Oder ihr seid tatsächlich solche Menschen – dann will ich erst recht nichts mit euch zu tun haben.

Geschrieben von Christoph

Juni 9th, 2012 at 7:50 pm

Veröffentlicht unter Gedanken,Menschen

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Sie verraten Deine Werte…

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Sie verraten Deine Werte. Sie teilen Dir mit, dass das nicht ihre Werte sind, und deshalb spielen sie keine Rolle.

Du bist aufgefordert, nach ihren Regeln zu spielen und in ihrem Wertesystem nach „oben“ zu steigen. Keine Wahl.

In ihrem System zu leben heißt nach ihren Regeln zu spielen.

Du musst das System verlassen, um nach Deinen Werten streben zu dürfen.

Geschrieben von Christoph

Juni 4th, 2012 at 1:10 am

Veröffentlicht unter Gedanken

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Dieser kleine Mann

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Ich twitterte gerade Folgendes:

Fakt ist doch: Wenn ich bis hierhin immer Mist gebaut habe, kann ich doch trotzdem genau jetzt anfangen, das Richtige zu tun. Oder?!

… und der Gedanke trägt sich weiter.

Im Kopf kommt die Frage auf: „Was ist denn eigentlich der Mist, den du gebaut hast?!“

Weil die Frage keine Antwort benötig … nein … vielmehr … sie kann nicht befriedigend beantwortet werden, stellt sich eine neue Frage:

„Was ist das Richtige?“

Schön, wie ein Gedanke auseinander genommen wird und wie er herunter gebrochen in zwei anderen Fragen endet.

Im Zusammenhang macht meine Aussage Sinn. Vor allem macht sie im Kopf der anderen, die das lesen, Sinn. Dieses Frage-Antwort-Spiel dieses Tweets steht für sich, weil jeder seine eigenen Gedanken dazu hat.

Jeder der es (tatsächlich) ließt, denkt darüber nach: „Macht das für mich nicht eigentlich auch Sinn? Hat er nicht Recht gehabt? Aber was soll das? Das ist nur Twitter. Das hat keine Bedeutung. Wie auch immer … weiter im Text, weiter im Leben. Das waren nur schrottige Gedanken und billige Floskeln in 140 Zeichen.“

… über die Frage nachdenken.

Der eigene Gedanke – die paar Zeichen – die vielen Leser – der ganz kurz auf Dein Hirn klopfende Mann.

Geschrieben von Christoph

Februar 21st, 2012 at 1:56 am

Veröffentlicht unter Gedanken

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Es reicht, wenn ein Einziger nachdenkt

mit einem Kommentar

Ja, ich habe Freunde, die ich sehr schätze, und die trotzdem nicht im Internet unterwegs sind. Und wenn einer dieser Freunde doch im Internet unterwegs ist, so ließt er nicht diesen Blog. Und wenn er diesen Blog doch lesen sollte, dann ist er nicht in sozialen Netzwerken aktiv (in diesem Fall, und das weiß ich genau, ist dies meine Mum und nicht … oder auch … oder mehr als alles andere … ein Freund).

Sehr oft kommt die gleiche Frage. Sie stellte sich damals schon. Damals, als ich deplaziert.de vollgeschrieben habe (dazu gibt es auch noch eine schöne Geschichte). Die Frage „Warum machst du das eigentlich, warum bloggst du?“.

Meine Antwort ist und bleibt immer die selber: „Wenn ich nur einem einzigen Menschen damit helfen konnte, ihm auch nur einen einzige Denkanstoß geben konnte, dann war es jedes Niederschreiben wert“.

Auf diesem Standpunkt stehe ich auch heute. Als ich meine Reise dokumentierte ging es mir genau um diesen Punkt. Auch um die reine Dokumentation, aber eine Dokumentation ist nichts, wenn sie nicht jemand sieht und verinnerlicht.

Das bleibt.

Ich verfolge damit nicht einen wirtschaftlichen Zweck. Davon will (und kann) ich nicht leben. Ich will etwas vermitteln. Meine Botschaft. Die kannst du so hoch oder so niedrig hängen wie du möchtest. Aber die will ich vermitteln.

Und Seth Godin, ein Mann den ich über die Maße schätze für seine Aussagen, schrieb vor drei Tage diesen Satz:

The connection economy multiplies the value of what is contributed to it. It’s based on abundance, not scarcity, and those that opt out, fall behind.

Nachzulesen im Artikel „The sad irony of selfishness“. In seiner Aussage steckt noch mehr. Aber ich glaube, wenn du das ließt, dass du verstehst warum ich blogge und sehr oft sehr viel persönliches dort hineinschreibe.

Eure Gedanken sind willkommen.

Geschrieben von Christoph

Februar 15th, 2012 at 9:11 am

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mit einem Kommentar

Wunschliste

mit 3 Kommentaren

Was wünsche ich mir für euch und für mich im Jahr 2012 bzw. meinem 26. Lebensjahr?

  1. Sei ehrlich zu dir selbst
  2. Sei offen für neues
  3. Sei gefühlsbetont
  4. Sei begeistert
  5. Rede mehr
  6. Schalte deinen Fernseher aus
  7. Gerate nicht in Panik
  8. Triff Entscheidungen
  9. Lies mehr über die Gedanken anderer
  10. Beschäftige dich mit denen, die dir wirklich wichtig sind
  11. Gehe jeden Tag einen Schritt weiter
  12. Verschiebe nicht das Unwichtige, sondern vergiss es
  13. Gestehe dir selbst dein Scheitern ein
  14. Sprich in einer anderen Sprache
  15. Vergiss den ersten Platz
  16. Wenn du hörst „Das funktioniert so nicht“, lächele und trete den Gegenbeweis an
  17. Wenn du hörst „Ich habe Angst“, nimm es ernst
  18. Lass dich niemals beschimpfen
  19. Grübele niemals über etwas, was bereits vergangen ist
  20. Such dir keine Vorbilder
  21. Hör auf, dich zu rechtfertigen

… und diese beiden Zitate gehören auch dazu:

As long as I have a want, I have a reason for living. Satisfaction is death.

I am sick of reasonable people: they see all the reasons for being lazy and doing nothing.

George Bernard Shaw (1856-1950) – British Dramatist

Zu guter letzt zwei Dinge, die nicht unbedingt für euch gelten:

  1. Einen Mann, den ich uneingeschränkt liebe und lieben kann
  2. Die Rückkehr in mein seelisches Zuhause – zurück nach Neuseeland

Alles Gute für euch und für mich, oder um es mit Steffi’s Worten passender zu sagen:

Alles beginnt genau jetzt!

Geschrieben von Christoph

Januar 24th, 2012 at 7:51 am

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mit 3 Kommentaren

Die Idee der zwei Gruppen

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Es gibt sie noch. Die kreativen Menschen, denen ich Ideen erzählen kann und die sofort verstehen. Es gibt sie noch. Die fest in Bahnen eingefahrenen Menschen, die auf eine neue Idee entweder mit Unverständnis in ihren Blick oder mit nett gemeinten Kommentaren ala „Joar, das klingt gut. Du schaffst das schon Volli“ reagieren. Die Verwandtschaft von Nett und Scheiße brauche ich nicht näher erläutern oder?!

Da stellt sich mir nur jetzt die Frage: Auf welcher Seite stehe ich eigentlich?

Hättest du mich vor – sagen wir – zwei Jahren gefragt, die Antwort käme wie aus der Pistole geschossen: Ich saugte jede Idee in mich auf, versuchte sie einzuordnen. Wie kann diese Idee auch mir helfen? Wie könnte sie ein Geschäft werden? Was brauchen wir alles um diese Idee umzusetzen? Wer hilft? Und auch manchmal ein einfaches: „Nein, wie geil ist *das* denn?“

All das wäre sofort in meinen Kopf geschossen. Ich war Unternehmer, und zwar im eigentlichen Sinne des Wortes. Unternehmer sind Menschen, die etwas von niedriger Güte in etwas von höherer Güte umwandeln. So habe ich das auch immer verstanden.

Schnellvorlauf in die Gegenwart. Erzähle mir eine Idee und ich höre immernoch zu. Aber nicht mehr mit dem Leuchten in den Augen, welches ich früher hatte. Völlig überrationalisiert zerkloppe ich schon im Kopf die Idee in ihre einzelnen, schwachen und damit leicht zerstörbaren Einzelteile. Danach knöpf ich mir die Elemente vor und hinterlasse nur noch Abfall. In die zweite Gruppe von Menschen gerutscht. Die Menschen, die ich verachtet habe. Denen ich innerlich vorgeworfen habe, an ihrer beschissenen Situation wesentlich mehr als nur „nicht ganz unschuldig“ zu sein. Ekelhaft.

Das war jetzt eine flache, nicht besonders detailreiche Ausführung des Ist-Zustand.
Soll-Zustand: zurück in die erste Gruppe. Mit dem gleichen Elan wie damals. Und mit logischerweise mehr Wissen, das lohnt sich doch.
Vielleicht nicht als Unternehmer, wie ihn deutsche Behörden verstehen. Sondern als Unternehmer, wie ich ihn oben geschildert habe.

Für einen Unternehmer ist doch die Frage, ob und wenn ja was für eine Firma er hat, völlig nebensächlich. Er ist auch ohne Gewerbeschein waschechter Unternehmer.

Wir werden sehen, wie sich dieser Soll-Zustand wieder erreichen lässt. Das hat mit Neuseeland im übrigen nur bedingt etwas zu tun.

Und schreibst euch hinter die Ohren. Wenn ihr noch auf der richtigen Seite seid, dann versucht alles um da zu bleiben.
Wenn ihr schon oder vielleicht schon immer auf der dunklen Seite gewesen seid, dann lass uns drüber reden. Wir müssen hier weg und das ganz schnell. Das ist einer der „Wege in den Ruin“.

Hochachtungsvoll,

Christoph

Geschrieben von Christoph

November 9th, 2011 at 5:48 pm

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Probleme mit der Statik

mit 3 Kommentaren

Das waren unendlich viele Tage und Wochen hier in Deutschland.
In meiner Heimat. Aber was heißt das schon…

Die berechtigte Frage ist, nicht nur für meine Blogleser, was ich in der ganzen Zeit hier schönes gemacht habe. Die Antwort ist so einfach wie kurz: Nichts.

Stimmt natürlich nicht. Nicht „nichts“, aber im Vergleich zu der Zeit vor Neuseeland war es wirklich nichts.

Als ich wieder hier ankam war, wie die meisten wissen werden, mein Gefühl in der ersten Zeit „verdammt nochmal, ich will hier wieder weg“. Viele meiner mir nahestehenden Menschen meinten, dass sich das ja sicher wieder legen wird.
Eine Dame hat es sofort erkannt. Sie meinte, dass ich mich ab jetzt immer wieder zurück in diese Zeit wünschen werde (und recht hattest du, Steffi). Dass das Fernweh nicht vergehen wird. Sie war Jahre zuvor in den USA unterwegs und kam mit dem gleichen Gefühl zurück.
Im Laufe der Zeit hörte ich das von einigen Leuten, die mal „weg“ waren. Aber waren sie nicht alle wieder hier? In Deutschland, in Magdeburg, in ihrer so-called Heimat?!

Also: Warum ich nicht auch?! Einfach abwarten. Nicht arbeiten. Nicht stressen. Abwarten. Nachdenken. Mein Leben hier wiederfinden. Doch das Leben habe ich, wenn ich ehrlich bin, nicht mehr wiedergefunden. Darüber bin ich allerdings kein bisschen traurig. Es war kein schlechtes Leben, aber die Ziele haben sich verschoben. Diese Verschiebung war ja letztlich auch schon der Grund, die erste Neuseeland-Reise zu machen.

Zurück auf Kurs? Nein!

Alter Kurs: Sei erfolgreich in deinem Job, ob selbstständig oder nicht. Kümmere dich um Deine Freunde und Familie. Sei mit einem tollen Mann zusammen und hab so viel Spaß, wie du kannst.

Neuer Kurs: Hab die Eier in der Hose, dieser Gesellschaft zumindest für ein paar weitere Monate den dicken Daumen zeigen und einfach wieder deinem Herzen folgen.

Ich glaube, ich habe gelernt, dass nur weil die meisten Menschen hier mit dem System klar kommen und glücklich werden ich das nicht automatisch auch werde. Und ja – bei Gott – ich habe es versucht. Das ging doch auch am Anfang ein paar Jahre gut. Aber jetzt passt kein Stein mehr auf den anderen. Als wenn mein neues Haus nicht mehr auf das alte Fundament passen würde. Oder nur unter großen statischem Risiko.

Natürlich weiß ich noch nicht, wie es wirklich weitergeht. Nur eines lässt mich momentan aus vollem Herzen lächeln: Zurück nach Neuseeland.

Fragen, die ich momentan vermeide oder nur ausweichend beantworte:

Was willst du machen, wenn du in Neuseeland bist?
Wie lange bleibst du dort?
Bleibst du für immer in Neuseeland?
Was ist mit deinen Freunden und deiner Familie?
Was machst du, wenn du dann wieder hier bist?

Bin ich der einzige, dem es so geht? Mitnichten!
Aus dem Stehgreif kann ich alleine drei Freunde benennen, die (auch wieder) „gehen“ werden.

Mit einem Freund habe ich so lange und intensiv darüber gesprochen, dass es schon fast bedenklich ist, dass wir immernoch hier sitzen. Aber wenn er geht, sei es in’s Ausland oder in eine bessere Gesellschaft, dann freue ich mich, es hier oder anderswo berichten zu können.

Was mir an unserer Gesellschaft nicht schmeckt und warum ich glaube, dass unser Buch „Wege in den Ruin“ in Deutschland ein echter Verkaufsschlager werden kann, schreibe ich in der nächsten Zeit sicherlich hier nieder.

Liebste Grüße und danke.

Euer Christoph

Geschrieben von Christoph

November 4th, 2011 at 11:51 pm

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Ich kann jederzeit kündigen – und telefonieren tu ich ja auch gerne

mit 2 Kommentaren

Ganz technisch weißt du ja „Ich habe immer die Wahl“.

Du kannst ja jederzeit deinen Job kündigen und einen anderen machen. Klar. Erstens gibt’s davon ja massiv viele und zweitens haben die nur auf dich gewartet.

Realistischer ist doch: Du kündigst, bekommst eine dreimonatige Sperre von der Arbeitsagentur und findest dich ein paar Monate (oder auch Wochen) später in einem Call Center wieder.

Abgebrannte Mittzwanziger, die dir mit einem Blick begegnen der so leer ist, dass dein 12 Jahre alter Opel Corsa mit TÜV bis nächste Woche locker Platz drin finden würde.
Übereifrige Studenten, die Thermobecher-bewaffnet an dir vorbeirauschen und dir auf dem Raucherbalkon ohne Umschweife mitteilen: „Nächste Woche bin ich weg aus dem Drecksladen“. Projektleiter in ausgewaschenen Bluejeans und schlacksig sitzendem, queer gestreiftem Poloshirt schleichen um deinen Arbeitsplatz herum und versuchen mit garstigem Blick deine Freundlichkeit gegenüber dem am anderen Ende bis zum Bauchnabel in Scheiße stehendem Kunden ins unermessliche zu steigern sowie gleichzeitig die Gesprächszeit unter die magische Grenze von 10 Sekunden zu drücken.

Dies ist – erstens – das letzte Woche vom Team B, welches zwei Stockwerke unter dir in den mit HP-Thinclient und Microsoft Remote Desktop bewaffneten Kunden-Schießständen, mit knackigen 200 Gesprächen pro Schicht, geradezu überschallartig erreichte Ziel.

Und zweitens ist es dem Auftragnehmer – so nennt man sich in Fachkreisen gerne selber – nur so möglich, die Umsätze zu steigern und aus der immer weithin, auch aus dem Fenster, sichtbaren Verlustzone heraus zu telefonieren.

Um in der Gewinnzone zu landen, müssen weiterhin dem schon komplett am Boden liegenden, nur noch schwach mit den Augen zuckendem Kunden neue Technik im Gesamtwert von mindestens 1000€ angeboten und unter Einsatz von unterschwellig ins Gespräch eingestreuten Drohungen wie z.B. „Das mit der Lösung ihres jetzigen Problems könnte sich sonst noch ein wenig länger hinziehen“ wie selbstverständlich auch verkauft werden.

Nicht zu vergessen ist, wie sollte es bei 10 Sekunden Gesprächszeit auch anders sein, dass wichtige Details, wie beispielsweise die Verlängerung der bestehenden Verträge bis weit über 2020 hinaus und der Abschluss von mindestens 2 weiteren Verträgen für Angebote des Konzerns, die auf garkeinen Fall am derzeitigem Ort des seit 2 Wochen in Tränen aufgelösten Kunden verfügbar seien dürfen. Oder doch zumindest nur einen Bruchteil nach Einsatzes von 5 Technikern möglich sein sollte. Diese wiederrum dürfen keinesfalls an einem vereinbarten Termin auftauchen. Der Kunde soll durch solch einen Termin nur ermutigt werden, auch mal wieder einen Tag frei zu nehmen und zuhause zu entspannen. Gerade durch das völlig unerklärliche Nicht-Vorhandensein von Internet, Telefon und Fernsehen wird ein solcher Prozess der Tiefenentspannung ja geradezu begünstigt, wenn nicht erst dadurch wirklich möglich.

Genug für den Moment. Was ich ja eigentlich nur damit sagen wollte: Bevor du deinen Job kündigst oder deinem Chef die Meinung sagt, denke bitte daran: Das nächste Call Center steht direkt um die Ecke!

Übrigens: Das Schreiben dieses Eintrags hat wirklich gerade extrem viel Spaß gemacht :). Das kann ich euch sagen!

Euer Christoph

Geschrieben von Christoph

November 4th, 2011 at 1:37 pm

Veröffentlicht unter Gedanken

mit 2 Kommentaren