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Eine Neuseeland-Reise und das Leben danach

Archiv für den Monat November, 2011

Die Idee der zwei Gruppen

bisher ohne Kommentare

Es gibt sie noch. Die kreativen Menschen, denen ich Ideen erzählen kann und die sofort verstehen. Es gibt sie noch. Die fest in Bahnen eingefahrenen Menschen, die auf eine neue Idee entweder mit Unverständnis in ihren Blick oder mit nett gemeinten Kommentaren ala „Joar, das klingt gut. Du schaffst das schon Volli“ reagieren. Die Verwandtschaft von Nett und Scheiße brauche ich nicht näher erläutern oder?!

Da stellt sich mir nur jetzt die Frage: Auf welcher Seite stehe ich eigentlich?

Hättest du mich vor – sagen wir – zwei Jahren gefragt, die Antwort käme wie aus der Pistole geschossen: Ich saugte jede Idee in mich auf, versuchte sie einzuordnen. Wie kann diese Idee auch mir helfen? Wie könnte sie ein Geschäft werden? Was brauchen wir alles um diese Idee umzusetzen? Wer hilft? Und auch manchmal ein einfaches: „Nein, wie geil ist *das* denn?“

All das wäre sofort in meinen Kopf geschossen. Ich war Unternehmer, und zwar im eigentlichen Sinne des Wortes. Unternehmer sind Menschen, die etwas von niedriger Güte in etwas von höherer Güte umwandeln. So habe ich das auch immer verstanden.

Schnellvorlauf in die Gegenwart. Erzähle mir eine Idee und ich höre immernoch zu. Aber nicht mehr mit dem Leuchten in den Augen, welches ich früher hatte. Völlig überrationalisiert zerkloppe ich schon im Kopf die Idee in ihre einzelnen, schwachen und damit leicht zerstörbaren Einzelteile. Danach knöpf ich mir die Elemente vor und hinterlasse nur noch Abfall. In die zweite Gruppe von Menschen gerutscht. Die Menschen, die ich verachtet habe. Denen ich innerlich vorgeworfen habe, an ihrer beschissenen Situation wesentlich mehr als nur „nicht ganz unschuldig“ zu sein. Ekelhaft.

Das war jetzt eine flache, nicht besonders detailreiche Ausführung des Ist-Zustand.
Soll-Zustand: zurück in die erste Gruppe. Mit dem gleichen Elan wie damals. Und mit logischerweise mehr Wissen, das lohnt sich doch.
Vielleicht nicht als Unternehmer, wie ihn deutsche Behörden verstehen. Sondern als Unternehmer, wie ich ihn oben geschildert habe.

Für einen Unternehmer ist doch die Frage, ob und wenn ja was für eine Firma er hat, völlig nebensächlich. Er ist auch ohne Gewerbeschein waschechter Unternehmer.

Wir werden sehen, wie sich dieser Soll-Zustand wieder erreichen lässt. Das hat mit Neuseeland im übrigen nur bedingt etwas zu tun.

Und schreibst euch hinter die Ohren. Wenn ihr noch auf der richtigen Seite seid, dann versucht alles um da zu bleiben.
Wenn ihr schon oder vielleicht schon immer auf der dunklen Seite gewesen seid, dann lass uns drüber reden. Wir müssen hier weg und das ganz schnell. Das ist einer der „Wege in den Ruin“.

Hochachtungsvoll,

Christoph

Geschrieben von Christoph

November 9th, 2011 at 5:48 pm

Veröffentlicht unter Gedanken

bisher ohne Kommentare

Probleme mit der Statik

mit 3 Kommentaren

Das waren unendlich viele Tage und Wochen hier in Deutschland.
In meiner Heimat. Aber was heißt das schon…

Die berechtigte Frage ist, nicht nur für meine Blogleser, was ich in der ganzen Zeit hier schönes gemacht habe. Die Antwort ist so einfach wie kurz: Nichts.

Stimmt natürlich nicht. Nicht „nichts“, aber im Vergleich zu der Zeit vor Neuseeland war es wirklich nichts.

Als ich wieder hier ankam war, wie die meisten wissen werden, mein Gefühl in der ersten Zeit „verdammt nochmal, ich will hier wieder weg“. Viele meiner mir nahestehenden Menschen meinten, dass sich das ja sicher wieder legen wird.
Eine Dame hat es sofort erkannt. Sie meinte, dass ich mich ab jetzt immer wieder zurück in diese Zeit wünschen werde (und recht hattest du, Steffi). Dass das Fernweh nicht vergehen wird. Sie war Jahre zuvor in den USA unterwegs und kam mit dem gleichen Gefühl zurück.
Im Laufe der Zeit hörte ich das von einigen Leuten, die mal „weg“ waren. Aber waren sie nicht alle wieder hier? In Deutschland, in Magdeburg, in ihrer so-called Heimat?!

Also: Warum ich nicht auch?! Einfach abwarten. Nicht arbeiten. Nicht stressen. Abwarten. Nachdenken. Mein Leben hier wiederfinden. Doch das Leben habe ich, wenn ich ehrlich bin, nicht mehr wiedergefunden. Darüber bin ich allerdings kein bisschen traurig. Es war kein schlechtes Leben, aber die Ziele haben sich verschoben. Diese Verschiebung war ja letztlich auch schon der Grund, die erste Neuseeland-Reise zu machen.

Zurück auf Kurs? Nein!

Alter Kurs: Sei erfolgreich in deinem Job, ob selbstständig oder nicht. Kümmere dich um Deine Freunde und Familie. Sei mit einem tollen Mann zusammen und hab so viel Spaß, wie du kannst.

Neuer Kurs: Hab die Eier in der Hose, dieser Gesellschaft zumindest für ein paar weitere Monate den dicken Daumen zeigen und einfach wieder deinem Herzen folgen.

Ich glaube, ich habe gelernt, dass nur weil die meisten Menschen hier mit dem System klar kommen und glücklich werden ich das nicht automatisch auch werde. Und ja – bei Gott – ich habe es versucht. Das ging doch auch am Anfang ein paar Jahre gut. Aber jetzt passt kein Stein mehr auf den anderen. Als wenn mein neues Haus nicht mehr auf das alte Fundament passen würde. Oder nur unter großen statischem Risiko.

Natürlich weiß ich noch nicht, wie es wirklich weitergeht. Nur eines lässt mich momentan aus vollem Herzen lächeln: Zurück nach Neuseeland.

Fragen, die ich momentan vermeide oder nur ausweichend beantworte:

Was willst du machen, wenn du in Neuseeland bist?
Wie lange bleibst du dort?
Bleibst du für immer in Neuseeland?
Was ist mit deinen Freunden und deiner Familie?
Was machst du, wenn du dann wieder hier bist?

Bin ich der einzige, dem es so geht? Mitnichten!
Aus dem Stehgreif kann ich alleine drei Freunde benennen, die (auch wieder) „gehen“ werden.

Mit einem Freund habe ich so lange und intensiv darüber gesprochen, dass es schon fast bedenklich ist, dass wir immernoch hier sitzen. Aber wenn er geht, sei es in’s Ausland oder in eine bessere Gesellschaft, dann freue ich mich, es hier oder anderswo berichten zu können.

Was mir an unserer Gesellschaft nicht schmeckt und warum ich glaube, dass unser Buch „Wege in den Ruin“ in Deutschland ein echter Verkaufsschlager werden kann, schreibe ich in der nächsten Zeit sicherlich hier nieder.

Liebste Grüße und danke.

Euer Christoph

Geschrieben von Christoph

November 4th, 2011 at 11:51 pm

Veröffentlicht unter Gedanken,Vor der Reise

mit 3 Kommentaren

Ich kann jederzeit kündigen – und telefonieren tu ich ja auch gerne

mit 2 Kommentaren

Ganz technisch weißt du ja „Ich habe immer die Wahl“.

Du kannst ja jederzeit deinen Job kündigen und einen anderen machen. Klar. Erstens gibt’s davon ja massiv viele und zweitens haben die nur auf dich gewartet.

Realistischer ist doch: Du kündigst, bekommst eine dreimonatige Sperre von der Arbeitsagentur und findest dich ein paar Monate (oder auch Wochen) später in einem Call Center wieder.

Abgebrannte Mittzwanziger, die dir mit einem Blick begegnen der so leer ist, dass dein 12 Jahre alter Opel Corsa mit TÜV bis nächste Woche locker Platz drin finden würde.
Übereifrige Studenten, die Thermobecher-bewaffnet an dir vorbeirauschen und dir auf dem Raucherbalkon ohne Umschweife mitteilen: „Nächste Woche bin ich weg aus dem Drecksladen“. Projektleiter in ausgewaschenen Bluejeans und schlacksig sitzendem, queer gestreiftem Poloshirt schleichen um deinen Arbeitsplatz herum und versuchen mit garstigem Blick deine Freundlichkeit gegenüber dem am anderen Ende bis zum Bauchnabel in Scheiße stehendem Kunden ins unermessliche zu steigern sowie gleichzeitig die Gesprächszeit unter die magische Grenze von 10 Sekunden zu drücken.

Dies ist – erstens – das letzte Woche vom Team B, welches zwei Stockwerke unter dir in den mit HP-Thinclient und Microsoft Remote Desktop bewaffneten Kunden-Schießständen, mit knackigen 200 Gesprächen pro Schicht, geradezu überschallartig erreichte Ziel.

Und zweitens ist es dem Auftragnehmer – so nennt man sich in Fachkreisen gerne selber – nur so möglich, die Umsätze zu steigern und aus der immer weithin, auch aus dem Fenster, sichtbaren Verlustzone heraus zu telefonieren.

Um in der Gewinnzone zu landen, müssen weiterhin dem schon komplett am Boden liegenden, nur noch schwach mit den Augen zuckendem Kunden neue Technik im Gesamtwert von mindestens 1000€ angeboten und unter Einsatz von unterschwellig ins Gespräch eingestreuten Drohungen wie z.B. „Das mit der Lösung ihres jetzigen Problems könnte sich sonst noch ein wenig länger hinziehen“ wie selbstverständlich auch verkauft werden.

Nicht zu vergessen ist, wie sollte es bei 10 Sekunden Gesprächszeit auch anders sein, dass wichtige Details, wie beispielsweise die Verlängerung der bestehenden Verträge bis weit über 2020 hinaus und der Abschluss von mindestens 2 weiteren Verträgen für Angebote des Konzerns, die auf garkeinen Fall am derzeitigem Ort des seit 2 Wochen in Tränen aufgelösten Kunden verfügbar seien dürfen. Oder doch zumindest nur einen Bruchteil nach Einsatzes von 5 Technikern möglich sein sollte. Diese wiederrum dürfen keinesfalls an einem vereinbarten Termin auftauchen. Der Kunde soll durch solch einen Termin nur ermutigt werden, auch mal wieder einen Tag frei zu nehmen und zuhause zu entspannen. Gerade durch das völlig unerklärliche Nicht-Vorhandensein von Internet, Telefon und Fernsehen wird ein solcher Prozess der Tiefenentspannung ja geradezu begünstigt, wenn nicht erst dadurch wirklich möglich.

Genug für den Moment. Was ich ja eigentlich nur damit sagen wollte: Bevor du deinen Job kündigst oder deinem Chef die Meinung sagt, denke bitte daran: Das nächste Call Center steht direkt um die Ecke!

Übrigens: Das Schreiben dieses Eintrags hat wirklich gerade extrem viel Spaß gemacht :). Das kann ich euch sagen!

Euer Christoph

Geschrieben von Christoph

November 4th, 2011 at 1:37 pm

Veröffentlicht unter Gedanken

mit 2 Kommentaren